Gründung der Tschechoslowakei vor 100 Jahren

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs 1918 haben sich die Grenzen innerhalb Europas radikal verändert. Der Zerfall des Habsburgerreichs bedeutete für Millionen Tschechen und Slowaken einen Neuanfang in ihrer ersten demokratischen Republik.

„Um die historische Unabhängigkeit zu feiern, haben wir am Tag des 100-jährigen Jubiläums einen Familiennachmittag veranstaltet“, sagte Jitka Sklenářová vom Verein Tschechisch Sprechen in Stuttgart e.V. Im Eltern-Kind-Zentrum im Westen haben Kinder und Erwachsene Spiele mit Bezug zur tschechischen Geschichte gespielt, Erinnerungspostkarten in ihrer zweiten Muttersprache geschrieben und sich beim Kaffee und Tee ausgetauscht. Für Aufmerksamkeit hat der Auftritt der Vereinsvorsitzenden Jana Murasová gesorgt, die sich als der Gründungspräsident Tomas Garrigue Masaryk verkleidet hat. „Masaryk hat damals eine großartige Lobby-Arbeit geleistet und die Gründung der Republik mit Frankreich, Großbritannien und den USA verhandelt“, erklärte Murasová.

Die Tschechoslowakei hat sich schnell zu einer stabilen Demokratie entwickelt, die allerdings die Probleme der Minderheiten nicht adressierte. Das führte am Vorabend des zweiten Weltkriegs zur Sudetenkrise und ein Jahr später zur Gründung des Protektorats Böhmen und Mähren. Kurz nach der Befreiung folgte eine lange kommunistische Ära unter sowjetischem Diktat, den das tschechische Volk erst 1989 mit der Samtenen Revolution beenden konnte. „Das 30. Jubiläum der demokratischen Revolution werden wir nächstes Jahr groß feiern“, versprach Sklenářová. Geplant sei unter anderem eine Diskussionsveranstaltung mit aus Kommunismus nach Deutschland geflohenen Tschechinnen und Tschechen, die in Stuttgart leben.

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